Urheberrechtsgesetz (UrhG)

Schriftstellerische Arbeiten fallen nicht automatisch unter den Schutz des Urheberrechtsgesetzes. Um den vollen Schutz zu erlangen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Im Wesentlichen muß das Werk a) veröffentlicht und b) erschienen sein.

§ 6 URHEBERRECHTSGESETZ: (Auszug)
Veröffentlichte und erschienene Werke. (1) Ein Werk ist veröffentlicht, wenn es mit Zustimmung des Berechtigten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist.
(2) Ein Werk ist erschienen, wenn mit Zustimmung des Berechtigten Vervielfältigungsstücke des Werkes nach ihrer Herstellung in genügender Anzahl der Öffentlichkeit angeboten oder in Verkehr gebracht worden sind. ...

Die weiteren Rechte des Urhebers werden im Gesetz erläutert. Sie können als bekannt vorausgesetzt werden, in kurzer Zusammenfassung: Nur der Urheber hat das Recht, über sein Werk zu verfügen.

Das Gesetz unterscheidet in "Veröffentlichung" und "Erscheinen" eines Werkes. Die Veröffentlichung kann bereits dadurch erfolgen, daß ein Urheber sein Werk, z. B. ein Gedicht, in der Öffentlichkeit vorträgt. Damit ist es aber noch nicht "erschienen". Erschienen ist ein Werk erst dann, wenn es der Öffentlichkeit in größeren Stückzahlen zugänglich ist, wenn es jederzeit bestellt werden kann usw. Über die Höhe der notwendigen Stückzahl, die den Tatbestand des Erscheinens erfüllt, wird in der Literatur diskutiert. Mit Sicherheit ist die Voraussetzung erfüllt, wenn eine Kleinauflage von 100 oder 150 Stück hergestellt wird. Bei der CD-ROM oder bei "Book-on-demand" kann das Erscheinen durch die Herstellung des Erstexemplars und die jederzeitige Reproduzierbarkeit unterstellt werden. Bei der anstehenden Änderung des Urheberrechtsgesetzes dürfte die elektronische Reproduktion bereits berücksichtigt werden.

Rechtsstellung des Autors, der sein Manuskript aus der Hand gibt
Mit dem Abschluß des Manuskriptes und der Herstellung beliebig vieler Kopien ist das Werk weder veröffentlicht noch erschienen. Das Urheberrechtsgesetz gilt zwar auch schon für unveröffentlichte Manuskripte, der wirkliche Urheber muß aber im Zweifel seine Urheberschaft beweisen können. Jeder, der das Manuskript in die Hand bekommt, kann es (von strafrechtlichen Aspekten einmal abgesehen) für sich verwenden. Er muß es auch nicht zitieren. Wer ein Werk als erster veröffentlicht, gilt nach herkömmlichen Gepflogenheiten als Urheber. Seine Urheberschaft wird "vermutet". Der tatsächliche Urheber muß mühsam und mit meist geringen Erfolgschancen seine Rechte geltend machen und beweisen. Allein am Beweis scheitern viele Ansprüche, auch am Kostenrisiko! Ein Rechtsstreit in diesem Bereich kostet sicher höhere fünfstellige Beträge!

Es wird in der juristischen Fachliteratur zum Urheberrecht relativ häufig berichtet, daß ein Autor sein Manuskript von Verlagen oder Literaturagenturen zurück erhielt, um es dann später - mehr oder weniger geändert - unter anderem Namen gedruckt zu sehen. In den Kommentaren zum UrHG kann dazu Interessantes nachgelesen werden. Einen tatsächlichen Fall finden Sie unter "Notveröffentlichung".

Nicht selten wird auch nur die Idee, die Gliederung oder die Handlung, die "Story", übernommen. Ein Unbefugter benutzte das Manuskript dazu, mit mehr oder weniger eigenen Worten ein neues Werk zu schaffen. Wer von solchen Machenschaften betroffen ist, hat allerdings kaum Chancen, seine Rechte zu beweisen.

Bekannt sind auch Fälle, in denen ein Beteiligter das Manuskript oder Kopien an Interessierte weitergibt, damit diese das Werk für ihre eigenen Arbeiten ausschlachten können. Manchmal sollen, wie ein Branchenkenner berichtete, dafür regelrechte "Wunschlisten" vorliegen, und je nach Qualität des Manuskripts mehr oder weniger hohe Beträge bezahlt werden. Für Betroffene ist es in der Praxis praktisch unmöglich, solche Machenschaften zu beweisen. Ein Beispiel: Ein Wissenschaftler erzählte von einem Erlebnis in Amerika. Dort werden wissenschaftliche Veröffentlichungen vor dem Abdruck anderen Experten zur Prüfung vorgelegt. Der Prüfer ließ die Arbeit von seinem Assistenten lesen, der begeistert war. Sein Professor meinte, er finde sie gleichfalls gut. Er werde daher das vorgelegte Manuskript abschlägig beurteilen und die Ergebnisse selbst in die eigene Arbeit einbauen. Originalton: "Das ist gut, das machen wir selber". Was in Amerika geht, ist sicher in Deutschland nicht unmöglich!

Wie kann sich ein Autor schützen
Jeder Autor kann sich vorsorglich durch eine Veröffentlichung auf CD-ROM, wie sie der AOV für seine Mitglieder kostenlos anbietet, vor Mißbrauch seines Manuskriptes schützen. Wenn der Verdacht besteht, daß das Manuskript bereits in unberechtigte Hände gelangte, können durch eine "Notveröffentlichung" die schwerwiegendsten Probleme verhütet werden.

Die Veröffentlichung auf CD-ROM sollte von jedem Autor gewählt werden, bevor er sein Manuskript aus der Hand gibt. Auf jeden Fall werden so Schäden durch Verlust vermieden, weiterhin ist die Urheberschaft damit beweisbar. Die CD eignet sich auch dafür, sie Interessenten zur Lektüre oder Prüfung auf Übernahme in ein Verlagsprogramm zuzusenden. Es brauchen keine Papier-Kopien mehr gefertigt zu werden etc.

Mit der Herstellung der CD-ROM ist das Werk veröffentlicht und erschienen, es hat eine ISB-Nummer, es wird im Internet-Katalog des Lectura-Verlages zum Kauf angeboten und kann in unbegrenzter Stückzahl hergestellt werden. Alle Voraussetzungen des Urheberrechtsgesetzes sind damit erfüllt, auch die Beweisbarkeit bei mißbräuchlicher Nutzung.