Notveröffentlichungen

Es war nicht der erste Fall, von dem wir erfuhren, wie sich Dritte am geistigen Eigentum eines Autors vergreifen. Das Urheberrecht stellt den Verfasser eines Werkes, das nicht veröffentlicht ist, ziemlich rechtlos. Es gilt nur für veröffentlichte und erschienene Werke. Wer ein Werk als Erster veröffentlicht, gilt nach dem Gesetz erst einmal als Urheber. Der wirkliche Urheber muß sein Recht erst beweisen und durchsetzen (s. "Urheberrechtsgesetz").

Allen betroffenen Autoren können wir durch eine "Notveröffentlichung" helfen. Der Einfachheit halber finden Sie nachstehend den Begleittext, den wir auf die CD-ROM brannten.

Die CD-ROM, das "Digitale Buch", eignet sich übrigens auch hervorragend für alle, die ihre Rechte dokumentieren oder einen Titel schützen wollen, bevor sie ihr Manuskript an Verlage oder Agenturen geben! Im Falle des Verlustes des Manuskripts können sie die erfolgte Veröffentlichung und ihre Urheberschaft nachweisen!

Hier also der Begleittext:

CD-ROM, Notveröffentlichung bei AOV e. V.
Erstveröffentlichung Mai 2000
Copyright beim Autor, alle Rechte vorbehalten

Verehrter Leser,

diese CD dürfte eine Weltpremiere darstellen: Die Veröffentlichung eines Manuskripts in der Urform, mit handschriftlichen Änderungen und Ergänzungen durch den Autor (wenn auch leider nicht mit allen, dazu später mehr).

Zur Geschichte dieses Werkes: Es ist das Ergebnis vieler Jahre wissenschaftlicher Arbeit. Das fertige Manuskript wurde verschiedenen Verlagen angeboten. Aus Kostengründen und wegen der aufgrund des hochspezialisierten Themas relativ geringen potenziellen Käuferschicht konnte es leider nicht in Druck gehen.

Der Autor erhoffte sich zuletzt Hilfe durch eine Literaturagentur und wurde durch euphorische Versprechungen dazu veranlaßt, diese mit der Vermittlung des Werks zu beauftragen. Vorab mußte er - ohne konkrete Erfolgsaussicht außer Versprechungen - bereits einen fünfstelligen "Druckkostenzuschuß" hinterlegen.

Bei gelegentlichen Anfragen nach dem Stand der Dinge wurde dem Autor immer wieder vorgegaukelt, man führe demnächst Gespräche mit H. Sowieso vom X-Verlag, dabei werde sein Buch mit vorgelegt, es sei gerade bei einem Verlag, der Interesse gezeigt habe usw. Außer Vertröstungen erfuhr der Autor nichts.

Als ihm nach über drei Jahren die Sache unheimlich wurde, verlangte er Manuskript und Druckkostenzuschuß zurück. Nach einigem Hin und Her erhielt er wenigstens das Geld - natürlich unverzinst -, nicht aber das Manuskript. Monatelang wurde er vertröstet, es sei bei einem Verlag, der es drucken möchte usw. usw. Das Ergebnis war letztlich, daß das Manuskript nicht mehr auffindbar war. Auch gerichtliche Schritte halfen nichts.

Für den Autor bedeutete das einen unwiederbringlichen Verlust, da er von seinem Manuskript nur eine Kopie besaß, die viele wichtige Anmerkungen, die erst in letzter Minute eingefügt wurden, nicht enthielt. Monate wissenschaftlicher Arbeit waren so unwiederbringlich verloren.

Der weitaus schwerer wiegende Aspekt war aber die Frage nach dem Schicksal des Manuskripts. Die Meinungen von Kennern der Szene gingen von "Schlamperei" bis hin zu "Manuskript wurde an Interessenten verkauft". Die größte Sorge des Autors war jetzt, daß irgendjemand sein Manuskript "ausschreibe", es also für eigene Zwecke benutze.

Leider hat der Autor einschlägige Erfahrungen mit solchem Geschäftsgebaren. Vor etwa 20 Jahren übergab er ein wissenschaftliches Manuskript einem Verlag, der es veröffentlichen wollte. Es sollte zur Prüfung einem Universitätsprofessor, Spezialist auf dem Gebiet des Manuskripts, vorgelegt werden. Als der Autor nach einem halben Jahr beim Verlag anfragte, war das Manuskript verschwunden. Niemand wußte angeblich über den Verbleib Bescheid. Zufällig erfuhr der Autor, daß besagter Professor ein Buch genau zu seinem Thema vorbereite, das bereits bei diesem Verlag fest eingeplant sei. Er stellte daher unverzüglich Strafanzeige wegen Diebstahls an seinem Manuskript, die jedoch ergebnislos verlief. Ein Erfolg war immerhin erreicht: Der Verlag verzichtete - welch ein Zufall - auf die Drucklegung des Buches des Professors. Es erschien bis heute nicht - warum wohl?

Für den Autor stellte sich die Frage, wer denn diesmal seine Arbeit benutzen werde, um sich damit zu schmücken. Druck auf eigene Rechnung kam aus Kostengründen nicht in Frage, allein die Erfassung des Manuskripts im Computer hätte Unsummen verschlungen, vom Druck ganz zu schweigen.

Der AOV e. V. bot sich daher an, die Veröffentlichung (des maschinengeschriebenen Manuskripts mit handschriftlichen Ergänzungen) auf CD-ROM zu übernehmen. Mit dieser bislang unüblichen, wenn nicht gar völlig neuen und unbekannten Publikationsweise ist es möglich, die Voraussetzungen für den Schutz der Rechte nach Urheberrechtsgesetz und wissenschaftlichen Gepflogenheiten zu erfüllen.

Jeder Nutzer der CD-ROM ist in der Lage, das Werk in der vorliegenden Form zu nutzen und nach wissenschaftlichen Gepflogenheiten zu zitieren. Damit ist auch sichergestellt, daß der Autor die Prioritätsrechte genießt, sowie alle anderen Rechte einer Veröffentlichung.

Natürlich handelt es sich nicht um ein "Buch" im herkömmlichen Sinne. Das Ziel war jedoch vor allem, das Werk des Autors der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und seine Rechte als Autor zu wahren. Mit dieser Notveröffentlichung ist das erreicht, einem späteren Druck steht nichts im Wege.

Wir wünschen dem Leser viel Freude bei der Lektüre. Das Buch kann auf dem Bildschirm mit dem beigefügten Programm "Adobe Acrobat Reader" aufgerufen und bei Bedarf seitenweise oder vollständig ausgedruckt werden. Bei Verwendung in wissenschaftlichen Arbeiten bitten wir um die übliche Zitierweise. Alle Rechte liegen beim Autor.

Parsberg, im Mai 2000

Autoren ohne Verlag e. V.
Helmut Fischer